„Healthy Lifestyle“: Das durch Instagram verzerrte Bild

Vitnamesisches Restaurant, Berlin Steglitz

Seit ungefähr einem Jahr ist es als Thema kaum mehr wegzudenken. Wir leben in einem neuen Zeitalter, in dem Trends wie „That Girl“ oder „Healthy Lifestyle“ an Erfolg gewonnen haben und immer mehr an Zuwachs gewinnen. Und auch die Produkte werden immer ausgefuchster. Chlorophyll-Wasser gegen einen aufgeblähten Bauch, Protein-Smoothies als Ersatz für ein ausgewogenes Frühstück oder Snacks ohne Kalorien aber als Sattmacher. Für einen gesunden Lebensstil würden wir doch alles machen, oder?

Jede Instagram-Story besteht inzwischen aus (Morgen)-Routinen, in denen jeder das Gleiche praktiziert. Aufstehen, Meditieren, Sport, Journaling (also Tagebuch schreiben), Post-Workout Smoothie. Eigentlich ist die Botschaft hinter einer Routine positiv. Das, was Freude bereitet oder einen wohlfühlen lässt, wiederholt man immer wieder. Aber wird es dann nicht zum Zwang? Und wenn es Zwang ist, dann ist es doch schon wieder schlecht für einen. Und wenn man aber die Routine mal einen Tag aussetzt, weil man sich mal nicht danach fühlt, dann plagt man sich den ganzen Tag über mit Schuldgefühlen. Wenn man aber seine Routine beibehält, dann ist es gut für einen und man fühlt sich automatisch besser. Hä? Was meinst du? Ok also noch einmal in normalen Worten.

Inzwischen ist jeder so gesundheitsvernarrt, dass er noch so jeden Quatsch mitmachen würde. Sogenannte „Morning-Routines“ sind gerade extrem aktuell und bestehen eigentlich daraus, aufzustehen, Sport zu machen, zu meditieren usw., um sich dadurch motivierter und energiereicher zu fühlen. Jeder tut vor der Kamera so, als würde es ihm nach seiner Morgenroutine extrem gut gehen und jeder positiv in den Tag startet. Und wenn er es mal nicht tut, so macht er sich und alle Follower schlecht, indem er anzweifelt, es einmal nicht getan zu haben.

Fitnesswahn und Schönheitsideale

Instagram ist voll davon. Durchtrainierte, extrem schlanke Körper in krassen Posen. Beine müssen so dünn sein, der Bauch muss so und so flach und muskulös sein und wenn nicht, ist es nicht gesund oder schön. Jede zweite Mahlzeit muss so und so viel Protein enthalten, Kohlenhydrate isst man gar nicht und Kalorien werden eh verteufelt. Das Bild ist inzwischen so verzerrt, dass ich nur noch den Kopf schütteln kann. Essen und Genuss wird als Feind angesehen und wenn du doch mal Nudeln essen solltest, dann sei verdammt dazu, da es deinen Körper ruinieren wird. Kein Witz, seht euch doch einmal die Storys an. Frauen, die am Abend Nudeln essen und am Morgen sich und alle Zuschauer Geiseln und runtermachen und zeigen, wie „aufgebläht“ sie doch sind. Dann wird gleich mal ein Chlorophyll-Wasser hinterhergekippt und Schwupps ist der dicke Bauch weg. Kleine Randanmerkung: Wo sollen Wasser und Essen hin, wenn man schlank ist? Es ist normal, dass der Bauch nach einer Mahlzeit voller ist und es ist auch normal, dass man beim Sitzen nicht unbedingt einen Sixpack hat. Es ist normal, dass der Bauch nicht komplett flach sein kann, weil wir einfach Platz für Organe und Co. benötigen. Und es ist normal, dass man mal Zucker, Pizza oder was auch immer isst, weil man einfach Lust darauf hatte. Man lebt nur einmal also warum dann auf die Hälfte, was das Leben zu bieten hat, verzichten?

Was bedeutet Gesundheit für mich?

Erwähnt man gesunde Ernährung, so denkt jeder an Salat, Low Carb Gerichte und kein Zucker. Aber wer hat das eigentlich definiert? Was ist gesund und was nicht? Für mich bedeutet Gesundheit, dass es mir und meiner Seele gut geht und das ich glücklich und zufrieden bin. Wenn ich Lust auf Kuchen habe, dann esse ich ein Stück. Es heißt nicht, dass ich mich selbst Geisel und darauf verzichte, nur weil ich dann erwähnen kann, dass ich auf meine „Gesundheit“ geachtet habe. Stimmt, dafür habe ich schlechte Laune und hab meiner Seele bzw. meiner Psyche geschadet und das ist viel ungesünder als das einzelne Stück Kuchen.

Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch hat seine eigenen Wege für Gesundheit und Glück und dafür sollten wir dankbar sein. Keiner muss den gleichen Körper haben, nicht jeder braucht einen Sixpack, um sich gesund zu fühlen und nicht jeder muss Avocado-Toast essen, nur damit andere denken, er lebe gesund. Dann ist diese Einstellung nicht mehr gesund, sondern einfach nur noch krank. Und anderen Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden, weil sie nicht auf den Burger verzichtet haben oder mal keinen Sport gemacht haben, das ist noch kränker.

In diesem Sinne: Zum Frühstück gibt es für mich erst mal eine große Tasse Kaffee und ein extra großes Leberkäsebrötchen. Genießt das Leben!

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