Gastbeitrag: Shopping-Albtraum in einer Boutique

Eine Dame wollte unbedingt ihre Erfahrung beim shoppen in Boutiquen teilen und meldete sich deshalb bei mir mit der Frage, ob ich denn einen Gastbeitrag veröffentlichen könnte. Gesagt – getan! Ich fand ihre Story so passend und zutreffend auf meine Erfahrungen, dass ich nicht anders konnte, als ihn zu veröffentlichen.

Warum ein Einkauf in einer Boutique schnell mal in die Hose gehen kann

Ein wunderschöner Tag dachte ich beim Frühstück und das im Januar. Die Sonne scheint und ich vernehme schon einiges an Vogelgezwitscher in meinem Garten. Heute ist der perfekte Tag zum Shoppen! Also bin ich schnell in die Klamotten gehüpft, habe mich etwas zurecht gemacht, Handtasche und Autoschlüssel gepackt und los geht es!

Mein Weg führte mich direkt in die Innenstadt einer nahe gelegenen Ortschaft. Heute soll es nicht das große Einkaufszentrum sein, sondern ein Bummel durch die Stadt. Meine Route führte mich direkt an einer Boutique vorbei. Die Verkäuferin, genau wie ich mittleren Alters, schaute mich durch die großen Schaufenster freundlich an; geradezu einladend. Also beschloss ich, mich darin einmal umzusehen. Es ist eigentlich nicht so meine Art, mich in solchen Geschäften aufzuhalten. Warum das so ist, kann ich im Moment gar nicht so richtig beantworten.

Ich betrete den Laden und die Dame begrüßt mich mit einem freundlichen, aber energischen „Guten Morgen„. Ich erwidere, bin aber etwas überrascht vom Ton der Stimme. Meine Aufmerksamkeit fällt auf ein Regal mit Shirts in allen Farben, welches ich zielstrebig ansteuere. Direkt wurde ich auf „Diese Shirts haben wir bis maximal Größe L“ hingewiesen. Das ist schön, dachte ich mir in diesem Moment. Hat mich die Dame gerade mehr oder weniger auf meine Körperfülle aufmerksam gemacht? Ja ich bin eine XL, aber… Innerlich wächst Unmut. Ich wende mich von dem Regal ab und begebe mich zu einem Verkaufstisch; komplett überladen wie auch der restliche Laden. Nahezu chaotisch, kunterbunt und eigentlich ist keine Struktur erkennbar. Mein Blick fällt auf Handschuhe, daneben liegen aufgereiht Spitzentops gemixt mir Glitzersocken und Bauchtaschen. Wilde Komi – so mein Eindruck. Ich fühle über die Spitze und nehme mir anschließend ein paar Handschuhe. Kein echtes Leder aber sehr sauber verarbeitetes Kunstleder. Mein Gedanke über die schöne Arbeit wird von „dieses Modell hat sehr schlanke Finger“ unterbrochen. „Danke für die Information„, so meine Erwiderung.

Ich trete an den Tresen und sehe mir die Schmuckstücke an, welche in einer kleinen Glasvitrine nett dekoriert sind. Eine Kette hat ein kleines Blatt als Anhänger, weshalb sie mir sofort auffällt. Ich bin gerade im begriff die Kette aus der Vitrine zu nehmen, um zu sehen, wie lang die Kette tatsächlich ist und werde jäh von der Dame dabei unterbrochen mit der Aussage „Diese ist sehr kurz, eher für einen schlanken Hals gedacht„. Das hat sie gerade nicht wirklich von sich gegeben und schaue ihr dabei direkt ins Gesicht. Mein Ausdruck möchte ich selbst nicht gesehen haben. „Sagen Sie, Sie wollen mir wohl nichts verkaufen„. Ihr Blick war eher kampfansagend und ihre Freundlichkeit ist gewichen. Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und lies mit steinerner Miene verlauten: „Wir sind nun mal eine Boutique und kein Ramschladen. Bei uns gibt es erlesene Stücke bis maximal Größe L, eher nur in den Größen S und M. Wir kleiden Frauen ein, die Wert auf sich legen„. Dabei dreht sie sich wieder um und verschwand hinter der Theke.

Na danke! Ich begebe mich direkt zum Ausgang und drehe mich in der Tür nochmals um. „Werte Dame“ so meine Worte „diesen Laden werde ich mit Sicherheit niemals mehr betreten und mich wundert es auch nicht, dass außer mir und Ihnen in den letzten 20 Minuten kein anderer Kunde hier über die Schwelle gekommen ist. Ich werde meinen Shoppingtag in einem anderen Geschäft fortsetzen. Und Ihnen geben ich den guten Rat, sich einen anderen Job zu suchen, am besten ohne Umgang mit Kunden„. Ein gutes halbes Jahr später bin ich erneut durch die Stadt gelaufen, ohne den Laden auch nur eines Blickes zu würdigen.

Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Looking for Something?